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Mrz 11
2013 

Neue Trends im Kampf gegen die Piraterie: Websites, die gegen das Urheberrecht verstoßen, Teil II

Im ersten Teil dieses Posts habe ich über die Geschichte der Software-Piraterie, ihr rasantes Wachstum und einige der gesetzlichen Bemühungen gegen sie, wie z. B. das DMCA- und das PRO-IP-Gesetz, geschrieben. Dies sind vielleicht zwei der bekanntesten Initiativen im Kampf gegen Software-Piraterie, aber es gibt weitere Bemühungen, die erwähnenswert sind, sowohl gesetzliche als auch kommerzielle. Bekannte Namen wie Google und PayPal sind für letzte sehr aktive Beispiele.

Die Six Strikes-Initiative (oder das Copyright Alert System) ist das Ergebnis einer Koalition zwischen fünf großen ISPs in den USA, der MPAA und der RIAA, um Online-Piraten zu verfolgen und ein Piraten-Warnsystem aufzustellen. Die gebildete Gruppe, bekannt als das Center for Copyright Information (CCI), will illegalen Downloads entgegenwirken, indem sie Internet-Anwender, bei denen festgestellt wird, dass ihre Aktivität gegen das Urheberrecht verstößt, über die Konsequenzen der Piraterie aufklärt. Dies wird über eine Reihe von Benachrichtigungen über das verstoßende Verhalten erfolgen und Anwender werden auf spezifische Landing Pages verwiesen. Wenn der Anwender nicht reagiert, ist der ISP verpflichtet, eine Strafe zu implementieren, wie z. B. Bandbreitenkontrolle und die Kündigung des Dienstes für den jeweiligen Anwender. Auch wenn sich diese Initiative auf Musik- und Video-Piraterie konzentriert, kann sie auf anderes piratisiertes Material wie z. B. Software-Anwendungen ausgeweitet werden.

Die Zahlungsdienste von PayPal sind unter E-Commerce-Anbietern, darunter auch viele, die piratisiertes Material verkaufen, sehr beliebt. Um illegale Aktiviitäten zu verhindern, die von Zahlungen über PayPal abhängen, kündigt das Unternehmen Händlerkonten von Websites, die gegen das Urheberrecht verstoßen, erbarmungslos. Im letzten Jahr hat PayPal seine Kräfte mit der IFPI (International Federation of the Phonographic Industry, Weltverband der Phonoindustrie) und der Londoner Polizei vereint, um Konten illegaker Online-Musikdienste zu schließen, von denen die meisten aus Osteuropa betrieben wurden. Jüngste Initiativen umfassen das Verbot der Cyberlocker-Sites MediaFire, Putlocker und DepositFiles sowie neue Servicebedingungen für Filesharing und Newsgroup-Dienste, die jetzt mehrere Maßnahmen zur Kontrolle und Verhinderung von Piraterie implementieren und befolgen müssen, welche von PayPal festgelegt wurden. Dienste, die diese Vorschriften nicht beachten, sind gezwungen, alternative Zahlungslösungen zu finden.

PayPal scheint die Aktivität anderer piraterie-unterstützender Dienste wie z. B. private VPNs, genau zu beobachten. Diese Dienste können dann genutzt werden, um Piraterie-Verfolgungsdienste (einschließlich der oben genannten Six Strikes-Initiative) zu umgehen. Anfang dieses Jahre schloß PayPal den TorGuard VPN-Dienst, öffnete das Konto aber später wieder. Es wurde keine Erklärung für den plötzlichen Sinneswandel abgegeben, aber es würde mich wundern, wenn diese Dienste über lange Zeit unberührt bleiben würden.

Die Torrent-Tracking-Site thepiratebay.se (allgemein als TPB abgekürzt) hat sich in den letzten Jahren zu einer beliebten Site für piratisierte Software und Medien gemausert, und zwar so sehr, dass sie ein Hauptziel für Rechteinhaber geworden ist. Versuche, ihren Einfluss zu mindern, reichen von einem langen Gerichtsverfahren gegen ihre Gründer bis dahin, dass mehrere europäische Länder ISPs angewiesen haben, ihre IP-Adresse zu blockieren, bis dahin, die Site auf die Google-Blackliste zu setzen, damit sie nicht automatisch im Suchfeld ergänzt und damit sie aus Suchergebnissen ausgeschlossen wird. Bislang wird die Site weiterhin straffrei betrieben und es scheint, als ob sie trotz dieser Bemühungen immer noch genauso populär wie früher ist.

Der beschränkte Erfolg gegen TPB ist natürliches kein einmaliges Beispiel. Es scheint, dass für jede Piraterie-Website bzw. für jedes Filesharing-Tool, die bzw. das durch das Gesetz geschlossen wird, mehrere andere auftauchen. Was man hieraus lernen kann, ist, dass ein gesetzlicher Kampf gegen Personen, die gegen das Urheberrecht verstoßen, zwar wichtig ist, aber bei weitem keinen Erfolg garantiert. Rechteinhaber müssen die Auswirkungen der Piraterie in jeder legitimen Weise, die ihnen zur Verfügung steht, mindern – sowohl durch Gesetze als auch durch Integration von hardware- und softwarebasiertem Kopierschutz (Digitales Rechtemanagement), wobei cloudbasierte Lizenzierung die neueste Schranke ist.

Es ist vielleicht verfrüht, zu sagen, dass „cloudbasiertes Computing Software-Piraterie eliminiert“, wie der Autor dieses Post behauptet, aber dieser aktuelle Trend macht es bereits schwieriger, Software-Rechte zu missbrauchen, und auch erschwinglicher, diesen Missbrauch zu stoppen.